
EMDR/Traumatherapie
EMDR ist die Abkürzung für Eye Movement Disensitization and Reprocessing und ist eine von Francine Shapiro 1997-1991 entwickelte traumabearbeitende Psychotherapiemethode, deren herausragende Wirksamkeit mittlerweile in sehr vielen Studien weltweit nachgewiesen wurde.
Wenn ein Trauma stattfindet und wir nicht in der Lage sind, dieses spontan zu verarbeiten, scheint das Nervensystem die Erinnerung an die Situation mit allen Bildern, Gedanken und Gefühlen „einzufrieren“. Ein Teil von uns bleibt sozusagen in der traumatischen Situation hängen, damit bleibt aber auch ein Teil unserer Lebensenergie an ein vergangenes Ereignis gebunden und wir sind nie ganz in der Fülle unserer Möglichkeiten.
Die Menschen berichten dann über Symptome wie Schlaf-und Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, innere Unruhe, Jähzorn und Reizbarkeit. Es kann auch sein, dass quälende Bilder, Gerüche oder andere Sinneswahrnehmungen von längst zurückliegenden Ereignissen unwillkürlich auftauchen. Im Rahmen dieser sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung können auch psychosomatische Beschwerden, Depressionen, Angsterkrankungen und Panikattacken auftreten. Oft liegt zwischen dem Auftreten von Beschwerden und dem belastenden Ereignis eine längere Zeitspanne von Monaten bis zu vielen Jahren.
Ein Schutzmechanismus unserer Seele ist, sich an das Ereignis oft nicht in allen Einzelheiten zu erinnern, sondern es tauchen immer wieder nur Bruchstücke des Erlebten in unserem Bewusstsein auf. Daher ist eine Therapie, die auf einer rein sprachlichen Ebene bleibt, meist unzureichend.
Ziel der Traumatherapie ist es, diese Erinnerungssplitter nach gezielter Bearbeitung neu zusammenzufügen und in die Persönlichkeit zu integrieren. Das heißt, sie bekommen in uns einen Ort und eine Zeit, können so in der Vergangenheit wie in einem Archiv abgelegt werden und haben damit keinen störenden Einfluss auf die Gegenwart mehr. Die Augenbewegungen oder bilateralen Stimuli, die wir im EMDR anwenden, scheinen den Block im Nervensystem aufzuheben und diesen Prozess zu ermöglichen. Abhängig von der Art, der Schwere und der Dauer des Traumas ist dieser Weg unterschiedlich lang.
Literatur:
David Servan Schreiber: Die neue Medizin der Emotionen.
Michaela Huber: Der innere Garten. Übungsbuch mit CD. Jungfermann-Verla
Luise Reddemann und Cornelia Dehner-Rau: Trauma. Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Trias-Verlag
Peter Levine: Traumaheilung. Das Erwachen des inneren Tigers. Synthesis Verlag